„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

Brexit: Diese Krise ist die Geburtsstunde eines starken Kerneuropa

24.06.2016 | Matthias Strolz | Tags: , , , , , , , , , , ,

Jetzt werden die Fetzen fliegen. Die Briten verlassen die Europäische Union. Die Entscheidung steht und ist rasch umzusetzen. Die Schockwellen werden gewaltig sein. Im besten aller Fälle ist es eine jener Erschütterungen, die uns rasch zu einem gemeinsamen Kerneuropa bringen.

Weniger ist mehr! Lieber mit einer kleineren Zahl von Mitgliedern die Gemeinsamkeiten vertiefen, als ein handlungsunfähiger Haufen von 27 nationalen Regierungen, die sich in EU-Sitzungen treffen, um in unterschiedliche Richtungen ziehen.

Wir brauchen jetzt einen Zukunftskonvent, um eine – möglicherweise noch kleinere – Union handlungsstark zu machen. Stärken wir in den nächsten zwei Jahren unser Wertefundament und erarbeiten wir mit einem innovativen, partizipativen Prozess unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger eine neue Architektur für unser gemeinsames Haus. Dann sollen die Bürgerinnen und Bürger entscheiden: Volksabstimmungen in allen 27 EU-Mitgliedsländern und Schottland. Wer dabei ist, ist dabei. Wer nicht dabei ist, ist nicht dabei. So ist das Leben.

Was jetzt nicht passieren darf: eine Schockstarre. Wir müssen das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Und was wir nicht zulassen dürfen: dass laufend Mitgliedsstaaten neue Ausnahmen und Sonderregelungen verlangen und die Gemeinschaft mit der Drohung weiterer Referenden erpressen.

Die Übergangsphase in eine neue Form des Miteinanders wird ruppig. Die Krisen werden weiter eskalieren – von Flüchtlingsthematik über aggressiven Nationalismus bis hin zum islamistischen Terror. Unser handlungsleitendes Motto muss lauten: Never waste a crisis. Wir werden gestärkt aus diesen heftigen Verwerfungen hervorgehen. Hier mein Interview dazu vom Februar in DIE ZEIT.

Die Herausforderungen vor denen wir in Europa stehen, sind riesig. Und wir können sie am besten gemeinsam lösen. Es müssen nicht alle dabei sein. Nur jene Völker, die Entschlossenheit fürs Gemeinsame zeigen, sollen an Bord sein. Mit den anderen werden wir gut nachbarschaftlich zusammenarbeiten. Aber eine Union ist eine Union. Entweder bist du dabei oder nicht. Wir werden mit einer Gruppe entschlossener Länder einen Sprung nach vorne machen. Ich werde schon in 15 Jahren den gleichen Pass in Händen halten wie unsere deutschen oder italienischen Nachbarn. Und das wird gut sein. Der Brexit wird diese Entwicklung beschleunigen.

#togetherwestand #dividedwefall

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