„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

Darwin spuckt in den Futtertrog – ja darf er das?

07.05.2012 | Matthias Strolz | Tags: , , , ,

Jetzt ist also wieder was passiert. Die WählerInnen haben „zugeschlagen“. Die Franzosen stellen die Weichen für Europa neu. Die Griechen stutzen die Macht der ehemaligen zwei Großparteien um 45 Prozent – sie erwärmen sich für die Radikale Linke und den Hitlergruß der Goldenen Morgenröte. In Schleswig-Holstein entern die Piraten mit 8 Prozent den nächsten Landtag. Was ist all diesen Wahlgängen gemein? Dass die WählerInnen mit den bisherigen Verhältnissen und dem aktuellen Personal nicht zufrieden waren und sich für Bewegung entschieden haben. So irgendwie nach dem Motto: Schlechter kann’s nicht werden, probieren wir was Neues.

Wohl sind das mancherorts irrationale oder gar unfaire Reflexe. However, vielleicht war es vorher auch nicht fair, dass sich in Griechenland zwei Parteien unter Dominanz von ein paar Familienclans das Land „aufteilten“. Und hier setzt eine Parallele zu Österreich ein. Zwar haben wir keine Familienclans, die sich die Republik aufteilen. Aber wir haben zwei Möchtegern-Ewig-Großparteien, die das Land als ihr Eigentum betrachten. Motto: Halbe/Halbe. Das machte nach dem Zweiten Weltkrieg Sinn und wir haben SPÖ und ÖVP viel zu verdanken, zum Beispiel blühende Landschaften und sozialen Frieden. Doch es hat sich viel geändert. Die zwei haben keine ausreichenden Antworten mehr auf die Herausforderungen unserer Zeit. Warum? Weil sie nicht im Heute, Hier und Jetzt angekommen sind. Sie klammern sich fest an der Macht und tun immer nur das Allernotwendigste, um diese nicht zu verlieren. Sie kümmern sich zu wenig um die wirklich drückenden Fragen. Sie haben in den letzten 35 Jahren mehr als 1,5 Millionen WählerInnen verloren. Und das war ihnen egal. Weil sich an der Machtmechanik nichts geändert hat. Weiterhin haben sie fein säuberlich eingeteilt und aufgeteilt – jeder Kegelclub eine Farbe, jeder Gesangsverein und jeder Job, der öffentlich vergeben wird. Wir haben als Volk willig mitgespielt. Doch der letzte Akt ist längst unterwegs. Das Schauspiel bald zu Ende. Weil wir BürgerInnen es nicht mehr mithüpfen. Die zwei Möchtegern-Ewig-Großparteien werden bei der nächsten Wahl gemeinsam unter 50 Prozent sinken. Vorhang fällt. Schluss mit lustig. Aus mit „Futtertrog in der Mitte teilen“.

Die BürgerInnen haben die Nase gestrichen voll, dass immer alles „gerichtet“ wird und dabei immer weniger für das gemeinsame Ganze rausschaut. Auch lässt sich die Veranstaltung nicht weiter auf Pump inszenieren. Rot und Schwarz stolpern ratlos durch die Gegend. Wer etliche Jahre den Zug der Zeit ignoriert, der weiß irgendwann gar nicht mehr, was es heißt einzusteigen. Der Zug fährt ohne sie ab. Darwin gilt auch für Parteien – wer das Neue nicht integriert, der schaut irgendwann alt aus. Und wer so gar nicht mehr reinpasst in das Hier und Jetzt, der verschwindet von der Bildfläche oder es wird ihm ein anderer Platz im Gefüge zugewiesen. Das ist das Wesen der Evolution.

Das ist unglaublich für solche, die sich für unsterblich hielten. Ebenso erstaunlich ist das Neue, das sich hier Platz greift. Klar ist, dass die Menschen nach einem neuen Stil in der Politik rufen. Diese Suchspannung bedienen die Piraten derzeit am besten. Erfrischend unprofessionell, einfach anders, planlos auf Erfolgskurs. Quasi ein Freak der politischen Evolution. Eine seltsame Zwischenfrucht. However, die Evolution wird rasch weiterhüpfen. Vom bloßen „anders sein“ auf die Entwicklungsstufe, dass neue Kräfte auch Lösungen liefern (müssen). Daran schrauben wir. Piraten 2.0 quasi – Herausforderer mit Plan.

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