„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

Frauen gefunden. Sag mir, wo die Männer sind …

10.07.2012 | Matthias Strolz | Tags: , , , , , , ,

Am 9.05. stellte ich in meinem Blog die Frage: „Sag mir, wo die Frauen sind …?” Da gab es viel Echo – Emails, Applaus und Beschwerden in direkter Begegnung und auch Rückmeldungen auf Facebook. Etliche Frauen wiesen mich darauf hin, dass sie sich gerne bei unseren politischen Vorhaben einbringen würden, es ihre aktuelle Situation aber nicht zulässt. Kindererziehung und andere Aufgaben stehen im Vordergrund. Einige waren sichtlich genervt und fühlten sich provoziert. Erstaunlicherweise bekam ich nur zwei Rückmeldungen von Männern. Zu wenig! Wir brauchen für die Frauendiskussion mehr Männer! Die frühfeministische Kampfhaltung hat uns offensichtlich aus der Arena getrieben. Männer, hervorgekrochen. Wir sollten uns stellen! Wir müssen diese Themen gemeinsam angehen – im kleinen Privaten wie im gesellschaftlichen Großen. Alles andere nix gut.

Ja, unsere Gesellschaft hat noch einiges aufzubauen und aufzuholen (im Vergleich etwa zu nordischen Ländern), um Familien einen optimalen Rahmen zu bieten. Wenngleich auch schon viel geschehen ist und heute vieles angeboten wird, was noch vor einigen Jahren unvorstellbar war – das sag ich als ein Vater, dessen Kinder gerade das Haus verlassen in Richtung Tagesmutter und Ferientanzkurs. However, wir sollten entschlossen voranschreiten, um die Vereinbarkeit von Familie mit Beruf und sonstigen Sphären des Lebens zu erhöhen. Carmen Jeitler-Cincelli, Mutter und neue Wirtschaftsbund-Obfrau in Baden/NÖ, schlug gestern in einem Gespräch vor, eine Mutterquote in der Politik einzuführen. Hm, bin nach erstem Drüberschlafen noch kein Freund dieser Zwangsmaßnahme. Finde das dahinter stehende Anliegen aber gut. Klar dafür bin ich, bei der Debatte um Maßnahmen die Kinder stets im Fokus zu behalten und die Kindererziehung zu adeln als die wertvollste Aufgabe, die unsere Gesellschaft vergibt.

Yip, und dann wollte ich noch berichten, wo ich die Frauen gefunden habe und finde. Vielfach und teils in jäher Überzahl. a) Zu Hause bin ich der einzige Mann. Immer wieder. b) In unserem Unternehmen haben wir eine Frauenquote von 12 zu 4. Großartige Mehrheit. c) Beim Hot Yoga sind wir Männer fast unter Artenschutz. Optischer Mehrwert für die Minderheit. d) Wir luden als „Österreich spricht“ am 25.06. zu einer Systemischen Aufstellung zur Frage „Was kommt nach dem Stillstand?“. Das war unsere erste Veranstaltung, bei der die Frauen in der Überzahl waren. (Video kommt heute online auf www.oespricht.at). e) Letzte Woche war ich am Frauenberg (!) in Admont bei einem Seminar zum Thema „Spiritualität & Meditation – Technik und Erfahrung” geleitet von Sister Jayanti von der World Spiritual University Brahma Kumaris. Neben dem Hausherr war ich der einzige Mann in einer Runde von über 20 Frauen. Es war wunderbar. Ich habe viel (von ihnen) gelernt.

Gerade die letzten zwei Erlebnisse zeigen mir: Die Frauen sind nicht nicht zu gewinnen für die Politik. Sie sind nur schwer zu gewinnen für die Politik, wie sie derzeit rennt. Und hier liegt eine große Chance: Unsere politische Bewegung – die wir aktuell vorbereiten und mit der wir Ende Oktober in die Öffentlichkeit gehen – wird einen neuen Stil in der Politik etablieren: authentisch, eigenverantwortlich, nachhaltig und wertschätzend. Das sind Werte mit starken weiblichen Vibes. Und wir werden neue Formen der Meinungsbildung kultivieren. Ansätze, die Frauen mehr ansprechen als das aktuelle Hick-Hack. Anyway, es ist noch ein langer Weg. Einstweilen sind wir in unserem Feld der 120 PromotorInnen gut zwei Drittel Männer. Die Frauen holen auf. Vielleicht überholen sie uns irgendwann. Wahrscheinlich würde es uns gut tun – den Männern, den Frauen, der Bewegung und dem Land.

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