„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

In die Schule gegangen ... und was gelernt

20.05.2012 | Matthias Strolz | Tags: , , , , ,

Ich war letzte Woche in einem Wiener Gymnasium eingeladen, mit Oberstufen-SchülerInnen über Politik zu diskutieren. Eine ehemalige Nachbarin, die dort Lehrerin ist, war auf mein Buch* gestoßen und hatte mich eingeladen. Ich habe in dieser Diskussion einiges gelernt. Unter anderem:

a) Das Interesse der jungen Leute am Politischen ist groß. Auch und gerade an neuen Bewegungen.

b) Die Skepsis gegenüber Politik ist noch größer. Und zwar breitflächig. Egal ob jung oder alt, dick oder dünn: Wer sich das Hemd „Politik“ anzieht, der/die ist verdächtig. Es ist mächtig viel Vertrauen zerstört worden in den letzten Jahren. Eine Schülerin fragte mich zum Abschluss, ob ich, wenn ich nun selbst in die Politik gehe, weiterhin so angezogen sein und weiterhin so reden werde. Hm, ich hab’ versprochen, es mir feste vorzunehmen. Garantieren kann ich nichts. Wer in die Politik geht, kommt anders aus ihr heraus als er reingegangen ist. Der Anspruch, den wir als neue Bewegung an uns selbst stellen, lautet: ehrlich und authentisch zu sein und zu bleiben. Unter anderem daran werden wir auch gemessen werden.

c) Da die Diskussion in den Latein-Unterricht eingebettet war, erfuhr ich: In der Römischen Republik war Politiker der Beruf mit dem höchsten Ansehen. Mütter und Väter wünschten sich nichts mehr, als dass ihre Söhne (!) Politiker werden. Und es gehörte zum Politiker-Beruf dazu, dass der Amtsträger nach seinem Dienst an der Republik eine Auszeit nahm.
Da kann ich anknüpfen – für Österreich und unser Vorhaben: Politik ist der Ort, an dem wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben. Dieser Ort ist wichtig, er ist unersetzlich. Und er ist ziemlich beschädigt und versaut worden – durch Korruption, durch machtgeile Sesselkleber, durch Ignoranz und Zynismus. Wir möchten, wenn wir als neue Bewegung zehn Jahre im Feld gestanden sind, dass dieser Ort wieder mehr Strahlkraft hat. Dass dieser Ort „Politik“ wieder Freude ausstrahlt. Dass die ÖsterreicherInnen wieder mit Respekt und Wertschätzung auf die Politik schauen. Dass viele sagen: „PolitikerInnen sind sehr okay!“ Das manche sagen: „Politik ist ja echt geil. Das pralle Leben.“ Und dass alle finden: „Politik – ja, das brauchen und wollen wir.“ Schlussendlich, dass nicht mehr satte 80 Prozent der Bevölkerung der Meinung sind: „Alles Gauner und Korruptis“.
Wenn uns auch nur im Ansatz gelungen sein sollte, hier einen Beitrag in diese Richtung geleistet zu haben, dann ist es für uns in zehn Jahren vielleicht der Punkt, eine Auszeit zu nehmen.

*„Warum wir Politikern nicht trauen … und was sie tün müss(t)en, damit sich das ändert“ (K&S-Verlag 2011)

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