„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

Starke Volksschule - starke Kinder!

18.02.2015 | Matthias Strolz | Tags: , , , , , , , , , ,

Lasst uns die Volksschulen stärken! In den Familien, in der Elementarpädagogik (Kindergarten, Spielgruppen, …) und in den Volksschulen entwickeln unsere Kinder starke Wurzeln. Oder sie entwickeln sie eben nicht. Was wir in den ersten Lebens- und Schuljahren versäumen, können wir kaum mehr nachholen. Wenn jede_r fünfte 15-Jährige in Österreich nicht ordentlich sinnerfassend lesen kann, dann hatte er/sie damit sicherlich auch mit acht oder neun schon gröbere Probleme. Wir konnten ihr und ihm nicht die richtigen Hilfestellungen und nicht die entsprechende Förderung geben. Wir haben sie zurückgelassen. Verloren. Das vernichtet Lebenschancen, das verbiegt Lebensläufe ganz brutal. Und daher haben wir hier dringenden Handlungsbedarf.

Folgend konkrete Gedanken und Vorschläge – live aus dem Parlament, dem gerade tagenden Unterausschuss des Unterrichtsausschusses zum Thema “Stärkung der Volksschule”:

1. Es ist gut, dass die Volksschule endlich in den Fokus kommt. 30 Jahre Stellungskampf Gesamtschule Ja/Nein sind 30 Jahre zu viel. Es ist längst überfällig, sich auch anderen Bildungsbaustellen zuzuwenden. Die Volksschule braucht mehr Aufmerksamkeit. Sie braucht mehr Zuwendung. Sie braucht mehr finanzielle Ressourcen.

2. Die Volksschule ist die einzig real existierende Gesamtschule in Österreich. Es ist klar, dass eine Gesamtschule eine starke innere Differenzierung braucht. Wenn ich jedoch einem Lehrer oder einer Lehrerin sage: “Hier sind deine 25 Schülerinnen und Schüler – alles Gute euch!”, dann ist das zu wenig. Die Umfrage unserer überparteilichen Plattform Talente blühen! unter 1.460 Lehrerinnen und Lehrern hat gezeigt, dass das dringlichste Anliegen der Wunsch nach mehr Unterstützungslehrer_innen ist. Und nirgends ist dieser Wunsch laut Umfrage so groß wie in der Volksschule. Wir brauchen Psycholog_innen, Sprachexpert_innen, Lerncoaches, Beratungslehrer_innen und wir sollten für Englisch, Sport und Musik auch in der Volksschule Fachlehrer_innen andenken. Das Klassenlehrer_innen-System hat sich bewährt. Aber wir brauchen zusätzlich eine Ausdifferenzierung des Lehrer_innenberufs.

3. Auch im Bereich der Volksschule ist die Schulautonomie zu stärken. Es ist beispielsweise höchst an der Zeit, dass wir aus den hunderten Schulversuchen rauskommen und die Notengebung endlich in die Autonomie transferieren. Alternative Feedbacksysteme haben sich hundertfach bewährt. Auch der jahrgangsübergreifende Unterricht soll vollkommen freigegeben werden. Volksschulen sollten zudem schulautonome Kontingente entlang sozioökonomischer Kriterien bekommen. Dort wo wir beispielsweise große Herausforderungen im Bereich der Sprachförderung haben, sollten wir standortspezifische Antworten geben können.

4. Ein zentrales Problem liege bei den Nahtstellen. Wir brauchen fließende Übergänge. Wir müssen die Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und der Volksschule neu gestalten. Die gibt es derzeit nämlich nicht. Und so verlieren wir fast das ganze Schüler_innen-bezogene Wissen und die Pädagoginnen und Pädagogen fangen in der Volksschule gleichsam wieder bei Null an. Ein noch größerer Knackpunkt ist der Übergang von der Volksschule in die Neue Mittelschule beziehungsweise die AHS. Die Eltern und die Kinder erleben dies als äußerst druckvoll. Hier nehmen sicherlich viele ein Trauma für später mit. Die Volksschule kann nicht losgelöst von einer Reform der Mittelstufe gedacht werden. Wir müssen wegkommen von der frühen Spaltung: die einen ins Töpfchen, die anderen ins Kröpfchen. Wir verbiegen auch an dieser Stelle junge Lebensläufe tausendfach und brutal. Schulautonomie ist hier die Lösung. Es soll eine Vielfalt an Schulen in der Mittelstufe geben – so vielfältig wie die Talente unserer Kinder. Damit wäre Schluss mit der dumpfen Zweiteilung, die so viel Beklemmung auslöst.

druckfreundliche Ansicht