„Alles wird gut. Immer wieder.“
„PolitikerInnen sind Ingenieure: Sie bauen Landebahnen für die Zukunft.“
„Was ich will: PolitikerInnen als Hebammen des Neuen.“
„PolitikerInnen sind Gärtner des Lebens. Sie kultivieren soziale Felder.“

Von gütigen Fürsten, die korrupt waren

11.01.2017 | Matthias Strolz | Tags:

Dereinst gab es im Süden des Landes einen Fürsten, der für seine eigene Erhöhung das Volk nach allen Regeln der Verdunkelungskunst aussackelte. Um das Volk zu beschäftigen und damit es ihm weiter die Füße küsse, verteilte er einiges an Geld in 100er-Scheinen. Viele Menschen jubelten. Zu viele. Zu lange. Am Ende mussten sie erkennen, dass sie – und zwar die Bürgerinnen und Bürger des ganzen Reiches, weit über das Fürstentum hinaus – für diesen Betrug bezahlen mussten. Heftig bezahlen mussten. Und lange. Die Bürger sagten: „Mit uns nie mehr!“

Doch ganz so ernst war es nicht gemeint. Denn die Geschichte wiederholte sich. Laufend. In vielerlei Ausführungen. Eine neuzeitlich elegante Variante lautete so: Ein anderer, ebenso „großer“ Fürst gründete mit „geschenktem“ Geld eine Privatstiftung für Wohltaten für das Volk. Wofür er Geldgeschenke bekam, war nicht begreiflich. Aber das ist auch egal. Der Fürst fand es gut und ließ sich dann jährlich von den Untertanen Geld drauflegen. Natürlich sollten diese nicht bemerken, dass sie dafür zahlten. Deswegen wurde das alles im Dunkeln veranstaltet. So wie es überhaupt eine Frechheit war, dass diese Bürgerinnen und Bürger neuerlich Transparenz darüber einforderten, wohin ihr Steuerobolus fließe. In einem Hohen Haus am Ring in der großen Stadt wurde sogar so eine „Transparenzdatenbank“ beschlossen. „What the fuck“, zischte der Fürst und sprach sich mit seinen anderen Kollegen ab. „Neumodisches Zeug. Die sollen uns mal, quasi kreuzerlweise. Wir haben die Macht und das Geld. Und wir tun und lassen, was wir wollen.“ So sprachen die neun Landesfürsten gemeinsam und machten munter weiter wie bisher.

Sie organisierten sich für ihre Fürstentümer jährlich die Erhöhung der höchsten Parteienförderung Europas und kontrollierten weiter die Listenerstellung der alteingesessenen zwei Machtkartell-Parteien für das Hohe Haus in der großen Stadt.

„Sonnenlicht ist das beste Desinfektionsmittel!“ schrie da einer. Doch auch das beeindruckte sie anfangs nicht. Denn auch mit dem Tageslicht waren sie gut befreundet. Dieses schalteten sie gekonnt ein und aus, wann sie es wollten. Wenn der Fürst „den gütigen, volksverbundenen Onkel“ gab, dann verwandelten alle Scheinwerfer des Fürstentums die Nacht zum Tag. Er hatte gleichsam Befehl über die Sonne. Ein Sonnenkönig.

Und das Volk jubelte. Viel, laut und lange. Zu seinem Geburtstag strömte das Volk herbei in großer Zahl. Sie huldigten ihm, sie besangen ihn, sie segneten ihn. „Lang lebe der König! Lang lebe der König!“ Dem Fürsten gefiel es. Sie aßen gemeinsam Schweinshaxen, Brathendeln und panierte Wiener Schnitzel. Dem Volk schmeckte es. Der Fürst regierte weiter.

An dieser Stelle müsste das klassische Märchen enden: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fressen, jubeln und regieren sie noch heute.

Alternatives Ende: Doch sie vergaßen, dass nicht nur so mancher von hoch zu Ross auf den Boden, sondern sogar schon mal die Sonne vom Himmel gefallen war.

Oder so – noch banaler: Doch sie vergaßen, dass alle weltliche Macht – und auch ihr Missbrauch – irgendwann das Zeitliche segnen. Immer wieder. Und das ist gut so.

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